Andacht zum Nachlesen und Innehalten ein.
Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal tut es gut, einen Moment innezuhalten, tief durchzuatmen und sich neu auszurichten. Unsere Andachten möchten genau dazu einladen: kleine Impulse für den Alltag, die ermutigen, stärken und den Blick auf das Wesentliche lenken. Gerne laden wir Sie ein, die Andachten in Ruhe nachzulesen — vielleicht mit einer Tasse Tee, vielleicht in einem stillen Moment zwischendurch. Möge jeder Gedanke ein Funken Hoffnung sein.
Dein Gebetspfad ist mit Gras bewachsen«, sagte ein afrikanischer Gemeindeältester zu einem Stammesangehörigen;
der hatte lange nicht mehr den Weg von seiner Hütte zur gemeinsamen Gebetsstätte gefunden. Er hatte offenbar seine Schwierigkeit mit dem Beten. Aber wir haben sie möglicherweise auch. Für viele von uns sind die Tage so gefüllt, dass Gebet nur noch ganz am Rande vorkommt, oder dass wir es gar nicht mehr in unserem Tageslauf unterbringen.
Morgens haben wir keine Ruhe; da nimmt uns der unbewältigte Tag schon gefangen. Und abends sind wir abgespannt, – ausgelaugt und leergepumpt. Da fehlen uns Gedanken und Worte. Oft kommt zu allen äußeren Abhaltungen noch eine innere Müdigkeit hinzu. Fast unmerklich verstummt so das Gespräch zwischen Gott und uns. Luther hatte recht mit seiner Beobachtung: Wer nicht regelmäßig betet, der tut es bald auch nicht mehr unregelmäßig.
Vielleicht geht es manchem aber auch wie jener 17-jährigen Schülerin, die sagte: Als mein Vater starb, war das für unsere Familie eine Katastrophe. Es wäre Gott doch ein Leichtes gewesen zu helfen. Aber er hat es nicht getan. Seither habe ich nicht mehr gebetet. Was soll das Beten, wenn Gott meine Gebete nicht erhört.
Da stehen die vielfältigen Erfahrungen des Leides, der Ungerechtigkeit und nicht erhörter Gebete unserem Beten im Wege. Das Gebet ist jedoch wichtig für den Glauben und für das Leben der Gemeinde. Deshalb mahnt der Apostel Paulus am Ende des Kolosserbriefes und auch in seinen anderen Briefen immer wieder: Seid beharrlich im Gebet oder haltet an am Gebet.
Paulus will jedoch die Gemeinden nicht mit Forderungen belasten. Sondern er will sie ermutigen, von ihrem Vorrecht Gebrauch zu machen, mit Gott reden zu dürfen. Denn beten heißt ja nicht so sehr, dass ich immer wieder als Bittsteller vor Gott erscheine. Sondern anhaltendes, beharrliches Gebet meint, das meine Gedanken, mein ganzes Leben auf Gott hin ausgerichtet sind.
Luther verstand darunter ein ständiges Gespräch des Herzens mit Gott. Er war der Meinung, dass niemand bei seiner Arbeit so hart beschwert sei, dass er dabei in seinem Herzen nicht mit Gott reden könnte. Ich darf jederzeit mit Gott reden, mich bei ihm aussprechen, meinen Tagesablauf, mein Unvermögen, meine Ängste, meine Entscheidungen, alles, was mein Leben ausmacht, mit ihm besprechen. Es lohnt sich, es einmal auszuprobieren.
Bloß keine Schwäche zeigen!
Das scheint das Lebensmotto vieler Menschen zu sein. Sich zusammenreißen, keinen Fehler zugeben, Unsicherheit überspielen, Zähne zusammenbeißen – damit niemand merkt, wie es in Wirklichkeit um mich steht. Auf Dauer ist das kaum durchzuhalten, denn es kostet viel Kraft.
Wieso fällt es uns eigentlich so schwer, Schwäche zu zeigen? Vielleicht weil wir Angst haben, unser Ansehen zu verlieren? Oder weil jemand unsere Schwäche ausnutzen könnte? Aber ist es nicht so, unsere Kräfte werden kleiner, oft machen uns bei zunehmendem Alter gesundheitliche Probleme zu schaffen, wir können nicht mehr unser altes Tempo durchhalten, sind mit unserer Geduld schneller am Ende. Da muss man sich doch die Frage stellen: Wie viel Kraft vergeuden wir mit dem Verbergen unserer Schwäche!
Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth, Jesus hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!
Paulus stand unter Druck. Er sei häufig krank warfen im seine Gegener vor. Auch seine Rede sei ungeschickt, schwach und kläglich. Doch sollte er als Apostel mit seiner Rede nicht alle begeistern können? Heute würden wir vielleicht sagen: er konnte sich nicht gut verkaufen, hatte nicht die richtige Ausstrahlung des Erfolgsmenschen.
Paulus lässt sich dennoch nicht beirren. Er steht zu seinen Schwächen denn er weiß sich gerade mit diesen Schwächen bei Gott gut aufgehoben. Gott verwandelt sie in Stärken. Seine Kraft – so ist uns zugesagt - ist gerade dann am Werk wenn wir mit unseren Möglichkeiten am Ende sind.
Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig! Wir erleben oft: Das Leben meint es nicht immer gut mit uns, es wird schwieriger. Da fällt es schwer, nicht zu resignieren und sich nicht zurückzuziehen. Aber Gott meint es gut mit uns, der unser Leben in seiner Hand hält. Welch eine Gnade ist es, wenn er uns sagt: Lass es gut sein, denn es wird auch mit dir selbst gut werden. Sich genügen zu lassen, das ist nicht leicht. Aber darin liegt Gnade, die verheißene Kraft. Im Genügen können wir neue Spielräume entdecken und tun was eben geht, unser Leben aus einer neuen Perspektive sehen. Bleibt behütet.
Think big – Denke groß.
So könnte man das Lebensmotto des Apostels Paulus zusammenfassen. Geboren wurde Paulus in Tarsus. Im Süd-Osten der heutigen Türkei. Aufgewachsen ist er als frommer Jude. Er hat die Gesetze der fünf Bücher Mose genau studiert und die meisten davon auswendig gekannt. Doch dann kam vor der Stadt Damaskus die Wende in seinem Leben: „Vom Saulus zum Paulus!“ Dieser sprichwörtlichen Kehrtwende hat er den Namen gegeben. Vom größten Christen-Hasser ist er zum größten Christus-Nachfolger geworden und das machte er mit ganzer Hingabe und großer Leidenschaft.
So wurde Paulus der erste und sicherlich auch der größte Völkerapostel der Geschichte. Sein Ziel war es, ganze Völker für das Evangelium zu gewinnen, darum ging er in die Städte und predigt die Frohe Botschaft von Jesus Christus. Paulus selbst blieb nie lange an einem Ort, ihn zog es immer weiter. Auf seinen Missionsreisen kam er weit herum: Israel, Syrien, die heutige Türkei und Griechenland waren seine ersten Stationen. Aber er wollte mehr. Er wollte der ganzen Welt von Jesus erzählen. Deshalb ging er nach Rom, in die Hauptstadt der damaligen Welt, wo er dann den Märtyrertod starb.
Paulus war ein kleiner Mann, vielleicht mit einer leicht gebeugten Haltung und man hat den Eindruck, als ob ihm die Knie zittern. Manchmal wirkte er unsicher, aber er machte keinen Hehl daraus. Aber dann, wenn er anfing zu reden, von Gott und Jesus, dem Gekreuzigten hat er mit jedem Satz, so scheint es mehr an Sicherheit gewonnen. Eine Sicherheit und Stärke, die nicht von ihm kommt. Ein ganz anderer scheint da plötzlich zu reden: — Gott selber spricht.— Und das ist es, was die Menschen beeindruckt. Nicht eine große Show.
In ganz einfachen Worten und eindrücklichen Bildern erzählt Paulus den Menschen die Frohe Botschaft und alle hören ergriffen zu, weil sie merken, der redet von mir, von meinem Leben, von meinen Wünschen und Sehnsüchten. Er redet von einem Leben, das ich mir so sehr wünsche. Ein erfülltes Leben, das Sinn und Hoffnung gibt.
Viele Menschen haben damals zum Glauben an Jesus gefunden. Weil sie es Paulus abgenommen haben was er sagte. Er trat als ganz normaler Mensch auf, in aller Schwachheit und in aller Begrenztheit und stellte Jesus in das Zentrum seiner Rede. Er wollte nicht der Star sein dem die Menge zujubelte.
Auch Du und ich können zu unseren Schwächen stehen. Wir brauchen anderen kein perfektes Bild von uns vorspielen. Darum können wir aber fröhlich in den Spiegel schauen, weil wir eben nicht irgendein Bild von uns abgeben müssen, weil wir nicht krampfhaft im Mittelpunkt stehen müssen, sondern weil Jesus Christus unser Herr und Erlöser im Mittelpunkt steht und unserem Leben einen Sinn gibt. In diesem Sinne bleibt behütet.
Christus spricht: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.
Paulus schreibt an seinen Freund Timotheus:
Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, dass du erweckest die Gabe Gottes, die in dir ist durch die Auflegung meiner Hände. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Darum schäme dich nicht des Zeugnisses von unserm Herrn noch meiner, der ich sein Gefangener bin, sondern leide mit für das Evangelium in der Kraft Gottes.
Paulus sitzt im Gefängnis und schreibt diese Worte an seinen Freund. Er macht sich dabei auch selbst Mut mit seinen Worten. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Sich gefangen, sich eingesperrt fühlen, das ist furchtbar. Manche kennen das vielleicht, die noch den Krieg miterleben mussten. Da war die Furcht konkreter, leere Vorratsschränke, ein Feind an der Front oder im Flugzeug, ein brennendes Haus, ein Balken, der herabstürzt, davon haben Sie mir erzählt und von der Kraft, die das Aushalten gekostet hat. Jetzt ist diese Furcht uns wieder ganz nahe gekommen und wir fragen uns: Wer kann uns Mut machen?
Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Wenn unser Kopf und unser Herz voller Furch ist, dann können wir keinen klaren Gedanken fassen. Darum ist es wichtig, dass wir besonnen handeln im Leben. Die meisten bekommen das erstaunlich gut hin. Das ist die Besonnenheit im Kopf, aber die Besonnenheit im Kopf reicht nicht aus. Wir brauchen auch Besonnenheit im Herzen. Dann können wir aus dieser Besonnenheit im Herz die Hände falten und unser Herz Gott zuwenden.
Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.
Gott stellt unsere Füße auf einen weiten Raum
Manchmal sehne ich mich nach einem weiten Blick wenn alles eng und begrenzt und verschlossen scheint. Manchmal sehne ich mich nach der frischen und klaren Luft wenn mein Atem stockt und mich die Enge drückt. Manchmal sehne ich mich nach einem offenen Gesicht dass mich sieht und versteht und mit mir geht. Manchmal sehne ich mich nach einem offenen Himmel der Weite und Hoffnung und Zukunft zeigt, hebe meine Augen auf nach diesem Lichtblick und schaue himmelwärts
Immer wieder fahre ich mit dem Motorrad an einem meiner Lieblingsplätze und mein Blick reicht weit über das Land. Weiter Raum, weiter Blick, fast unbegrenzt. Der Himmel ist offen. Wie ein staunender Kommentar zu solchen weiten Räumen im Alltag liest sich der Vers aus Psalm 31:„Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ (Psalm 31,9b)
Dem Blick in die Weite stehen aber auch manche Situationen entgegen, in denen es eng wird: wenn mir die Zeit davonläuft, bei der Arbeit oder im Leben wenn Angst und Sorgen es mir eng ums Herz werden lassen, wenn es keinen Weg zu geben scheint, den mein Fuß gehen kann. Gegen solche Erfahrungen der Enge setzt der Psalm-Betende sein Bekenntnis. Dabei steckt er selbst noch mittendrin in scheinbarer Ausweglosigkeit und fehlender Perspektive. „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ ist für ihn ein Hoffnungssatz, der seine Perspektive verändert und neuen gedanklichen Raum schafft.
Das Leben ist wie eine große, offene, weite Landschaft. Und wir sind hineingestellt in diese Landschaft. Sie unter unsere Füße zu nehmen, das gehört zu unserem Leben. Gott gibt uns Zeit und Raum unser Leben in Freiheit und Verantwortung zu gestalten. Unser Leben hat seine Grenzen – aber es hat auch seinen Freiraum. Auf ganz verschiedenen Wegen gehen wir durch das Leben: Da gibt es schattige Waldwege mit Orten der Rast. Da gibt es dürre Wege und Wüsten in denen die Orientierung schwer scheint. Da gibt es fruchtbare Baumwiesen, die uns Äpfel pflücken lassen. Da gibt es Schluchten zwischen hohen Felswänden die kaum begehbar wirken und es gibt Plätze, an denen wir gesellig miteinander feiern können. Gott stellt unsere Füße auf weiten Raum. Diese Weite unseres Lebens zu entdecken und sie getrost zu durchschreiten, in der Gewissheit, dass er mit uns geht, das wünsche ich uns.